Contax F

(Pentacon F)

Hersteller Ihagee Kamerawerk Dresden
Modell F
Filmformat 24 x 36 mm, Kleinbildfilm 135
Baujahr 1956-1959
Objektiv Hersteller
Modell
Verschluss Tuchschlitzverschluss 1" - 1/1000 und "B"
Belichtungsmessung ohne
Blitzanschluss 1 PC-Buchse auf der Deckkappe
Stand 08.06.2022. Von dieser Kamera habe ich mir gleich 2 Stück angeschafft. Technisch sind die Modelle Contax F und Pentacon F identisch. Wer das alles ganz genau wissen will geht auf die Seite Dresdener Kameras, habe ich in der Navigationsleiste auch schon lange verlinkt.
Wenn man ein Modell erstmals reparieren muss, macht es immer Sinn, ein unzerlegtes Exemplar dabei zu haben.
Und da diese Kameras üblicherweise noch die ersten Verschlusstücher besitzen, ist das auch nicht teuer, denn wer ehrlich ist, verkauft sie als defekt.
Es war hier wie erwartet, die Tücher hatten diverse Löcher, die man unter einer Prüflampe gut erkennen konnte. Die Tücher sind verschraubt und /oder vernietet.
Das eine Tuch sitzt an Gurten, das andere an Seilen. Beim Ersetzen bleiben Festpunkte erhalten. Das macht den Tausch nicht allzu kompliziert. An 2 Stegen muss man die Vernietung lösen,an 2 Stellen wird das alte Tuch abgeschnitten und das neue aufgeklebt.
Von Rick Oleson gibt es Zeichnungen der erforderlichen Arbeiten. Er war wohl Pionier damit im Internet, besten Dank dafür.
Mittlerweile findet man mehr dazu, auch diverse Filme auf z.B. Youtube.
Begonnen habe ich mit dem 2. Vorhang, der mit den Gurten. Er wird zunächst von der Spannrolle samt Steg abgeschraubt. Nach Ausbau der Spindel, die links in der Kamera sitzt, hat man ihn vom Kameragehäuse separiert und kann gut daran arbeiten.
Den Blechsteg (Messing?) habe ich an den Pressungen (es sind keine Nieten) mit einem 1 mm Bohrer aufgebohrt. Vorsichtig, ganz vorsichtig!
Mit ganz flachen Schneidklingen bekommt man ihn heraus aus der Pressung.
Er ist auf dem Foto unten zu sehen.
Danach habe ich erstmal die andere Seite bearbeitet und zwar so, wie es Rick Oleson vorgeschlagen hat, den neuen Vorhang auf den Rest des abgeschnittenen alten Vorhangs geklebt. Hier traute ich mich nicht, die dortigen Nieten aufzubohren, weil auch dann die Bänder nicht mehr besfetigt bleiben.
Immer daran denken, wir haben es mit ca. 60 Jahre alten Kameras zu tun, da gibt es keine Ersatzteile mehr bei Ihagee zu kaufen, da ist Improvisieren gefragt.
Auf dem Foto links ist nun der fertige Vorhang zu sehen. Von der Rückseite. Die Klebestelle ist kameraseitig vorn. Rechts mit 2 Löchern versehen für die Schrauben.
Hier ist nun die Spindel vom 1. Vorhang. Also dem Vorhang, der nach Auslösen zuerst abläuft und vom 2. Vorhang je nach Verschlussgeschwindigkeit verfolgt wird.
Da das Tuch an dieser Stelle fest in die Spindel eingepresst ist, gibt es hier nur eine Möglichkeit: Abschneiden und den neuen Vorhang aufkleben. Die Reste die hier noch vom alten Vorhang zu sehen sind müssen natürlich noch entfernt werden.
Mit einem Flacheisen habe ich mir eine Art Arbeitsplattform zum Ausbohren der Pressungen auf das Filmfenster gelegt. Und dann ganz vorsichtig ausgebohrt.
So sieht der Steg nun aus. Feinarbeiten müssen folgen, damit das Tuch ohne Kraftaufwand in die Stegfalte gelegt werden kann. Mit dünnflüssigem Sekundenkleber habe ich dann Klebstoff in die Bohrungen laufen lassen. Erst die eine Seite, dann die andere Seite. Lichteinfall durch die Löcher ist nicht möglich, weil sie nun vom Tuch verschlossen wurden. Nach Trocknung entfernen der Klebereste, anschleifen mit Wasserschleifpapier und Brünieren des Stegs.
Der Steg nach Auffüllen mit Sekundenkleber.
Das Ankleben des Tuchs auf die Spindel. Dafür muss man einen anderen Kleber verwenden, einen, der länger zum Antrocknen braucht, um das Tuch genau auszurichten. Wenn alles richtig gemacht, läßt sich das Tuch gerade auf die Spindel aufwickeln. Nach Antrocknen dieser ersten Klebestell habe ich ca 5 mm weiter erneut Klebstoff aufgebracht. So wird es halten, denn diese neuen Klebstoffe leisten Enormes.
Unter der Spindel liegt der Deckel einer Tictacdose und das Flacheisen. Die Teile gehören nicht zur Kamera.
Wer nicht arbeitet - macht keine Fehler!
Nachdem die Tücher mit den Spannrollen eingebaut waren, wollte die Kamera nicht arbeiten. Es dauerte einen Moment, bis ich sah, woran es lag. Am Hemmwerk sitzt eine kleine Hülse, durch die die längere Befestgungsschraube gesteckt wird. Diese Hülse muss so eingebaut werden, wie es auf dem Foto gezeigt wird. Mit dem kleinen Führungsrand nach oben. Da hatte ich nicht richtig hingeguckt und sie andersherum eingebaut. Dadurch sperrte sie die Verbindung zu dem Zahnrad links davon und das Hemmwerk war blockiert. Kleine Ursache - große Wirkung.
Aber nun klickt und surrt sie und alle Zeiten laufen schon einmal.
Nach und nach löste der Auslöser zuerst den Verschluss und dann erst den Spiegel aus. Dafür fand ich eine Stellschraube, an der der Lack zum Fixieren aber abblätterte. Die Neueinstellung war einfach und mit meinem "chicen" Nagellack habe ich sie neu verklebt.
Der Vorhand mit den Gurten war unten etwas lose, er lief leicht schief ab. Das Foto links zeigt die Spindel mit der Stelle, an der ich Tuchmaterial aufklebte.
Und hier ist es schon geschehen.
Verschlusstuch nach der Aufnahme, beide Tücher links aufgewickelt.
Beide Stege in der Mitte, Verschluss etwa halb gespannt.
Verschlusstuch vor der Aufnahme. Beide Tücher rechts aufgewickelt.
Rechts vom Sucherokular ist ein kleiner isolierter Kunststoffblock mit einer aufgesetzten Kontaktplatte angeschraubt. Hier kommt der Blitzkontakt aus dem Verschluss und wird ab hier mit einem Kabel zur Buchse links oben auf der Kamera weitergeleitet.
Die Kamera blitzte nicht, eigentlich tat sie nur wenig auf Anhieb, aber das Blitzen war garnicht möglich.
Mit dem roten Pfeil ist der kleine Kontakt gekennzeichnet, der zur rechten Zeit gegen die Kontaktplatte drückt und dann soll das Blitzgerät zünden. Die Kontaktplatte sitzt an der Rückwand der Kamera, ist hier aber ausgebaut.
Hier ist der Kunststoffblock stark vergrößert zu sehen, die Kontaktplatte, an die das Kabel angelötet wird ist auf der Rückseite und somit auf dem Foto nicht zu sehen. Zu sehen ist aber Lötzinn, das für einen Kurzschluss sorgte.
Dieses kleine Bauteil konnte ich retten, habe Kunststoff und Kontaktplatte verklebt, vorher gut gereinigt. Ein neues Kabel angelötet und dann das Teilchen wieder eingebaut.
Die Buchse auf der linken Seite hatte auch einen Kurzschluss. Das Blitzgerät löste beim Einführen des Steckers in die Buchse schon aus. Ich versuchte die Buchse zu reparieren, aber unmöglich. Meine Ersatzteilkiste beherbergte eine Buchse, die ich verwenden wollte. Sie war 6,3mm stark statt 6,0. Was aber schwerwiegender war, ist die Befestigungsmutter. Ich mußte das Gehäuse Aufschleifen und "Aufschnitzen" - ja Schnitzen wie bei Holzarbeiten, damit sie Platz fand. Mit einer scharfen Klinge kann man das Gehäuse tatsächlich bearbeiten. Vorteil: große Späne, die besser beseitigt werden können als Schleifstaub vom Dremel.
Auf dem Foto links sieht man noch einmal die eingebaute Kontaktplatte mit dem neuen Kabel auf der rechten Seite. Links ist das "aufgeschnitzte" Gehäuse gut zu erkennen. Es bekam anschließend noch etwas schwarzen Mattlack aufgetragen.
Der Blitz funktioniert nun auch wieder und ich konnte das Gehäuse endlich oben verschließen.
Und hier nun das Ergebnis: Kamera mit Vorlauf und Verschlusszeit von 1 Sekunde.
 
Hier bei Youtube zu sehen und zu hören

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